Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Kurt Schwitters & Ray Johnson
Merz & Moticos

26. Mai - 21. August 2011

Schwitters, der den Großteil seiner Kunstproduktion »Merz« – nach einem Fragment der Druckzeile »Commerz- und Privatbank« – nannte, zählt mit seinen Collagen und Gedichten heute zu den Klassikern der Moderne. Seine Kunst ist zwischen der Dada-Bewegung und dem niederländischen de Stijl angesiedelt. Die Auswahl – darunter auch einige bislang kaum in der Öffentlichkeit gezeigte Werke – aus der Zeit von 1920-1947 ermöglicht einen konzentrierten Einblick in sein vielschichtiges künstlerisches Schaffen. Als seine Kunst von den Nationalsozialisten als entartet diffamiert wurde, emigrierte er 1937 zunächst nach Norwegen und floh schließlich nach England. Bis zu seinem Lebensende hat er dieses Land nicht mehr verlassen. Mit seinen Collagen und Assemblagen, die er aus Zeitungsausschnitten, Fahrkarten, Reklame und Abfall zusammenfügte, schuf er Werke, die sich durch ihre ausgeklügelte Komposition, ihre Farbästhetik und ihren Bildwitz auszeichnen.

Ray Johnson, wie Schwitters ebenfalls ein Außenseiter im Kunstbetrieb, wurde in der New York Times als »berühmtester unbekannter Künstler« tituliert. Die gezeigten Arbeiten umfassen einen Zeitraum von den 1950er bis zu den 1990er Jahren und fordern zu immer neuen Interpretationen heraus. Die Kunst von Ray Johnson ist geprägt von Dada, Pop Art, Fluxus und Konzeptkunst. Seine Collagen nannte er »Moticos« und sah sie für eine Präsentation in Museen und Galerien vor. Zugleich versandte er unzählige Arbeiten per Post an ein riesiges Netzwerk – Briefe mit Texten und Motiven, die zugleich auch in verwandelter Form in seine Collagen integriert wurden. Als Rohmaterial für seine Collagen verwendete er Bildfragmente aus Magazinen und Zeitungen, aber auch eigene Arbeiten, die er zerschnitt, auf Pappkarton aufzog und deren Oberfläche er mit Farbe überzog. Teilweise bearbeitete er die mosaikähnlichen Collage-Elemente noch zusätzlich mit Schleifpapier. Häufig wurden die Empfänger der Postsendungen in den Schaffensprozess seiner Kunstwerke eingebunden und dazu aufgefordert, an ihnen mitzuwirken. Seiner Zeit weit voraus und lange vor dem Aufkommen des Internets, entstand so ein weit verzweigtes Kommunikationsnetzwerk. Mit der Erfindung der »New York Correspondence School« 1963 gilt Ray Johnson als Gründer der internationalen Mail-Art-Bewegung. Seit den 1970er-Jahren arbeitete er zurückgezogen in seinem Atelier auf Long Island, wo er seine Collagen einem stetigen Bearbeitungsprozess unterzog. Die Wiederverwendung alter Werke erklärt auch die mehrfachen Datierungen, die in fast allen Collagen auftauchen. Nach seinem Tod entdeckte man in seinem »Pink House« im Locust Valley auf  Long Island einen umfangreichen Bestand an Werken.

Anlässlich der Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog (deutsch/ englisch), mit Beiträgen von Werner Spies, Achim Sommer, Jürgen Pech und Jasper Hallmanns mit ca. 200 Seiten und Abbildungen aller ausgestellten Werke.

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Biographie Kurt Schwitters

 

1887 Kurt Schwitters wird am 20. Juni als Sohn der Geschäftsleute Eduard und Henriette Schwitters in Hannover geboren

1908-14 Nach dem Abitur studiert er an der Kunstgewerbeschule in Hannover, anschließend an der Königlich Sächsischen Akademie der Künste in Dresden

1915 Am 5. Oktober heiraten Helma Fischer und Kurt Schwitters

1917 Die ersten vier Monate seines Militärdienstes verbringt er auf einer Schreibstube, anschließend ist er Werkstattzeichner in einem Eisenwerk

1918 Im Juni zeigt er erstmals abstrakte Werke in der Berliner Galerie »Der Sturm«; bis 1928 stellt er regelmäßig bei dem Galeristen Herwarth Walden aus. Am 16. November wird Ernst Schwitters geboren, der einzige Sohn des Ehepaares

1919 Anfang des Jahres entstehen erste Materialassemblagen und Stempelzeichnungen; für seine Kunst prägt Schwitters den Begriff »Merz«. Im Juli präsentiert er seine Merzbilder erstmals in der Galerie »Der Sturm«. Ende des Jahres wird sein Gedichtband Anna Blume veröffentlicht

1920 Im Februar oder März trifft er Max Ernst in Köln

1921 Im Januar werden seine Werke in der Galerie Hans Goltz in München gezeigt. »Der Ararat«, die Zeitschrift der Galerie, veröffentlicht den programmatischen Text »Merz«.
Vortragsreisen nach Dresden, Erfurt, Leipzig und Weimar sowie zusammen mit Raoul Hausmann, Hannah Höch und Helma Schwitters eine »Anti-Dada-Merz-Reise« nach Prag

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1922 Erste Lautgedichte entstehen. Teilnahme am »Internationalen Kongreß für Konstruktivisten und Dadaisten« in Weimar

1923 Ab Januar veranstaltet er gemeinsam mit Nelly und Theo van Doesburg eine »Dada-Tournee« durch Holland. Das erste Heft der Reihe »Merz« erscheint. Beginn der Arbeit am »Merzbau« in Hannover

1924 Gründung der Merz-Werbezentrale; in den folgenden Jahren ist er verstärkt als Typograph tätig

1925 Er nimmt das »Scherzo der Ursonate« auf und veröffentlicht es als »Merz 13«

1926 Anfang Dezember nimmt er an der offiziellen Eröffnung des Bauhauses in Dessau teil

1927 Seine »Große Merzausstellung 1927« wird in mehreren Städten Deutschlands gezeigt; als Katalog erscheint »Merz 20«. Gründungsmitglied der Gruppen »die abstrakten hannover« sowie »ring neuer werbegestalter«

1929 Er wird offizieller Typograph der Stadt Hannover und übernimmt die Gestaltung sämtlicher Drucksachen für die Dammerstock-Siedlung von Walter Gropius in Karlsruhe

1932 Die »Sonate in Urlauten« erscheint in »Merz 24«, der letzten Nummer der Reihe
 
1934 Im Sommer pachtet er auf der norwegischen Insel Hjertøya eine Steinhütte

1937 Anfang des Jahres emigriert er nach Norwegen und zieht mit seinem Sohn nach Lysaker bei Oslo, wo er mit der Arbeit an einem neuen Merzbau beginnt. In der Wanderausstellung »Entartete Kunst« werden seine Werke als »vollendeter Wahnsinn« diffamiert

1938 Reise nach Stockholm, Kopenhagen und Göteburg

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1940 Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Norwegen flieht er in den Nordwesten des Landes und gelangt im Juni nach Schottland

1941 Bis zum November ist er in verschiedenen Lagern in Schottland und in England interniert. Nach seiner Entlassung zieht er zu seinem Sohn nach London; hier lernt er Edith Thomas (genannt »Wantee«) kennen

1943 Der erste Merzbau in Hannover wird durch einen Luftangriff der Alliierten zerstört

1945 Im Juni lässt er sich mit Edith Thomas endgültig in Ambleside (Lake District) nieder

1947 Mit finanzieller Unterstützung des Museums of Modern Art in New York beginnt er den dritten Merzbau, die »Merz Barn«

1948 Am 8. Januar stirbt Kurt Schwitters im Krankenhaus von Kendal an Herzversagen

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Biographie Ray Johnson

 

1927 Raymond E. Johnson wird am 16. Oktober in Detroit als Sohn finnischer Einwanderer geboren. Als Jugendlicher besucht er Kunstkurse am Detroit Institute of the Arts

1942 An der Cass Technical High School, Detroit, Kurse in Werbegrafik. Brieffreundschaft mit seinem Klassenkameraden Arthur Secunda

1945-48 Studium am Black Mountain College, North Carolina, bei Josef Albers, Lyonel Feininger und Robert Motherwell

1948 Umzug nach New York zusammen mit seinem langjährigen Lebensgefährten, dem Bildhauer Richard Lippold. In dem Haus in der Monroe Street leben auch John Cage und  Merce Cunningham. Regelmäßige Treffen mit Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und anderen Absolventen des Black Mountain College

1949 Arbeitet in einem orientalischen Buchladen und beginnt, sich für östliche Philosophien zu interessieren

1951-53 Mitgliedschaft bei den American Abstract Artists

1953 Umzug in die Dover Street. Einzelausstellung »Cool Ages« in der Boylston Street Print Gallery, Cambridge, Massachusetts

1955 Erfindet den Begriff »Moticos« für seine Collagen Erste Mailings

1956 Beginn der Freundschaft mit William S. Wilson, der sein größter Sammler wird

1958 Besuch im Atelier von Robert Rauschenberg. Beginnt die »Lucky-Strike«-Serie

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1959 Die Serien »Elvis Presley«, »James Dean« und »Marilyn Monroe« entstehen

1960-61 Erstes Happening mit dem Titel »Nothing«

1962 Umzug in die Suffolk Street, Lower Eastside. Trifft Ed Plunkett, der den Begriff »New York Correspondence School« prägt

1963 Teilnahme am »Yam Festival«, ausgetragen von Allan Kaprow, George Brecht und Robert Watts in der Smolin Gallery

1964 Zahlreiche Besuche in der Factory von Andy Warhol

1965 Der Fluxuskünstler Dick Higgins gibt das Buch »The Paper Snake« mit den Briefen Johnsons heraus

1966 Beginn des Briefwechsels mit Joseph Cornell. Einzelausstellungen »Ice« in der Willard Gallery, New York, und »Ray Johnson« bei Richard L. Feigen & Co., Chicago

1967 Teilnahme an der Eröffnungsausstellung »Pictures to Be Read/Poetry to Be Seen« des Museum of Contemporary Art, Chicago

1968 Ermordung Robert Kennedys, Anschlag auf Andy Warhol, Ray Johnson wird ausgeraubt. Zieht deshalb nach Glen Close, Long Island, New York

1969 Mail Events und Treffen der New York Correspondence School

1970 Umzug in das »Pink House«, Locust Valley, Long Island. Zahlreiche Performances und Meetings

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1971 Erstes Treffen des »Marcel Duchamp Fan Club« in der Church of the Holy Trinity, New York, weitere Versammlungen folgen. Einzelausstellung »Post Card Show« bei Angela Flowers, London

1972 Einzelausstellungen »Ray Johnson« in der Jacobs Ladder Gallery, Washington D.C. und »Mashers« in der Galleria Schwarz, Mailand.

1973 Erklärt am 5. April das Ende der New York Correspondence School. Mail-Art-Aktivitäten werden fortgesetzt

1974 Zahlreiche Fan Club Meetings. Einzelausstellung »Invitation Correspondence« in der Western Illinois University, Macomb

1975 Zahlreiche Performances und »Club Meetings«. Gruppenausstellung »Brecht – Johnson – Duchamp« auf dem Internationalen Kunstmarkt, Köln

1976 Beginnt die Arbeit an den Silhouetten, von denen bis Jahresende 87 Stück entstehen

1977 Mietet einen Minolta-Fotokopierer mit dem er seine Mailings vervielfältigt. Einzelausstellungen »Silhouettes« in der Elaine Benson Gallery, Bridgehampton, N.Y. sowie »Ray Johnson« bei Framart, Neapel

1978 Einzelausstellung »Viewpoints: Ray Johnson«, Walker Art Center, Minneapolis

1984 Einzelausstellung »Works by Ray Johnson« im Nassau County Museum of Fine Art, Roslyn, N.Y.

1985-94 Zahlreiche Gruppenausstellungen

1995 Ray Johnson begeht am 13. Januar Selbstmord

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Begleitprogramm zur Ausstellung


Samstag, 25.6.2011, 14–17 Uhr


DADA voll GAGA ? Wortcollagen nach Kurt Schwitters
Workshop für Erwachsene mit Mandana Mesgarzadeh

Wir experimentieren mit der Sprache und erstellen
Collagebilder ganz im Sinne von Kurt Schwitters.
12 € (zzgl. Museumseintritt)
Anmeldung erforderlich bis 3 Tage vor Termin.

Samstag, 2.7.2011, 20 Uhr


Dada-Soirée. Tollkühn-absurdes Schauspiel mit Cora
Chilcott

Die Schauspielerin Cora Chilcott, »Berlins bekannteste
Dadaistin«, macht Texte von Kurt Schwitters, Hans Arp,
Tristan Tzara und Max Ernst zum Erlebnis.
10 € (inkl. Ausstellungsbesuch)
Anmeldung erbeten. Restkarten an der Abendkasse.

Freitag, 22.7.2011, 16 Uhr


Ray Johnson – der »berühmteste unbekannte Künstler«
Sonderführung mit Jasper Hallmanns

Ray Johnson wurde von der New York Times einst als »New Yorks berühmtester unbekannter Künstler« bezeichnet. Neben seinen komplexen Collagen, die er Moticos nannte, versandte er unzählige Briefe mit Motiven aus seinen Collagen an Freunde und Bekannte. In seinen Arbeiten erstellte Johnson immer wieder neue Verknüpfungen, Assoziationen und Geschichten zwischen Personen, Gegenständen und Wörtern und fordert den Betrachter zu immer neuen Interpretationen heraus.
5 €, ermäßigt 3 € (zzgl. Museumseintritt)
Anmeldung erforderlich bis 3 Tage vor Termin.

Samstag, 23.7.2011, 20 Uhr


»Sonate in Urlauten« für Sprecher und Trio
von Odilo Clausnitzer nach dem Text von Kurt Schwitters.

Das Trio Lowlife und Walter L. Mik als Rezitator
führen die »Ursonate« von Kurt Schwitters auf.
Aufführung: ca. 40 Minuten
10 € (inkl. ein Glas Sekt auf der Museumsterrasse)
Anmeldung erbeten. Restkarten an der Abendkasse.

Dienstag, 16.8. und Mittwoch, 17.8.2011, je 11 bis 15 Uhr


Der Sachensucher Kurt Schwitters.
Wir bauen eine begehbare Collage

Ferienworkshop für Kinder von 7 bis 11 Jahren
mit Mandana Mesgarzadeh
Aus Fundstücken bauen wir eine »Lebenssäule«. Es
wird geleimt, genagelt, getackert und angemalt.
25 € pro Person (inkl. Materialkosten)
Anmeldung erforderlich bis 3 Tage vor Termin.

Sonntag, 21.8.2011, 16 Uhr


Ottos Mops – Von Jandl bis Morgenstern
Eine Gedichtrevue für Kinder ab 6 Jahren

Das Kindertheater-Duo Kirschkern & COMPES jongliert
mit Worten, Reimen, Versen und Gedichten. Und alles
ei zolipei – aus Nonsens, Jux und Dollerei!
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Erwachsene 5 €, Kinder 3 €
Die Karte berechtigt zum Museumsbesuch am selben
Tag. Anmeldung erbeten bis 3 Tage vor Termin.
Restkarten an der Museumskasse.