Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Seine Augen trinken alles
Max Ernst und die Zeit um den Ersten Weltkrieg

23.02–29.06.2014

Die Ausstellung »Seine Augen trinken alles – Max Ernst und die Zeit um den Ersten Weltkrieg« im Max Ernst Museum Brühl des LVR greift die Perspektive des Künstlers auf und beleuchtet die künstlerische >Inkubationszeit< des 1891 in Brühl geborenen Ausnahmetalentes in den 1910er und 1920er Jahren. Sie präsentiert Kunstwerke und Objekte, die Max Ernst einerseits beeindruckten und die er andererseits kritisch rezipierte. Dieses vielfältige >Panorama< im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne visualisiert die Einflusssphäre und seine Reaktion darauf.

»Seine Augen trinken alles was in den Sehkreis kommt« – so charakterisiert Max Ernst die vielfältigen Eindrücke, die er während seines Studiums an der Bonner Universität gesammelt hatte. In der Ausstellung werden eigenen frühen Werken Beispiele seiner damaligen Favoriten wie Robert Delaunay, August Macke, Paul Klee, Pablo Picasso oder Henri Matisse gegenübergestellt. Werke der von ihm kritisierten Künstler aus den Beständen des ehemaligen Städtischen Museums Villa Obernier kontrastieren mit diesen avantgardistischen Positionen. Die konservativ geprägte Ausbildung wird durch die Inszenierung von Gipsabgüssen aus dem Paul-Clemen-Museum des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn belegt. Seine Faszination für ozeanische und afrikanische Kultobjekte fügt einen weiteren Aspekt hinzu. Ebenso werden seine Erfahrungen während des Ersten Weltkrieges anhand von Briefen dokumentiert. Ein exemplarischer Ausblick auf die Kunst von Max Ernst nach dem Ersten Weltkrieg zeigt die Überwindung des bislang Rezipierten und seine künstlerische Entwicklung hin zu neuen Formen und Inhalten.

Einen Monat nach dem Abitur schreibt sich Max Ernst im April 1910 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ein, um Philologie zu studieren. In den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges belegt er neben Germanistik, Romanistik und Philosophie Veranstaltungen in Psychologie und Psychiatrie sowie in Kunstgeschichte.
Neben dem Studium ist Max Ernst künstlerisch tätig – so malt er um 1912 das großformatige Aquarell »Der See Bethesda«. Gleichzeitig schreibt er für die Bonner Zeitung Volksmund zahlreiche Kunst- und Theaterkritiken. Im August 1914 tritt er als Kriegsfreiwilliger in das Rheinische Feldartillerie-Regiment Nr. 23 ein und ist bis Oktober 1918 in Frankreich, Russland und Belgien im Einsatz. Während dieser Zeit entstehen einige wenige Arbeiten – Max Ernst konzentriert sich vor allem auf das »Durchhalten« –, wie die Aquarelle »Von der Liebe in den Dingen« von 1914 oder »Kampf der Fische« von 1917. Nach Kriegsende kehrt er »als junger Mann, der ein Magier werden und den Mythos seiner Zeit finden wollte« zum Leben zurück. In einer Reihe von dadaistischen Foto-Collagen, zu denen »Die chinesische nachtigall« von 1920 gehört, beginnt er Kriegsmotive ins Fantastische umzudeuten.

Es erscheint ein Katalog mit 272 Seiten, ca. 254 Abbildungen und Beiträgen von Patrick Blümel, Ludger Derenthal, Julia Freiboth, Jürgen Pech, Ljiljana Radlović, Thomas Schleper und Achim Sommer. Preis an der Museumkasse: 39,90 €

Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Kaufen Sie ihre Eintrittkarte im Vorverkauf. Karte gilt auch als Fahrausweis im VRS: Bonnticket

1914 - Mitten in Europa

100 Jahre ist es her, dass Europa sich dem Abgrund näherte: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) erinnert 2013/2014 in einem großen Verbundprojekt an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Erstmalig arbeiten die LVR-Museen und Kulturdienste mit zahlreichen Partnern der kommunalen Familie im Rheinland zusammen, um Voraussetzungen und Konsequenzen eines Ereignisses zu beleuchten, das die Geschichtsbücher als »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« vermerken.

Diese bisher einzigartige Kooperation umfasst einen internationalen Kongress sowie zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungs- und Exkursionsangebote. Wir möchten Sie herzlich einladen, sich einem Thema zu widmen, das uns im Rheinland, mitten in Europa, nach wie vor besonders angeht.

Prof. Dr. Jürgen Wilhelm
Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland

Ulrike Lubek
Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland

Mehr Informationen zur Ausstellung und den anderen Projekten des LVR erhalten Sie in der Broschüre (pdf-Datei, 3806kb).